ALK-Umweltpreis an Damm-Besetzer

Die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) hat ihren mit 500 Euro dotierten Umweltpreis an die Dammbesetzer verliehen. Aus Protest gegen die geplante acht Kilometer lange vierspurige "Taunus-Autobahn" B8 von Kelkheim-Hornau bis zum Eselsheck in unmittelbarer Nähe Königsteins hatten mehrere Dutzend junge Leute aus Königstein und Kelkheim am 5. Mai 1979 mit dem Bau eines Hüttendorfes auf einem für die Straße aufgeschütteten Damm im Liederbachtal begonnen. Zwei Jahre lang hatten die Damm-Besetzer dort in zuletzt sieben Hütten ohne Strom und fließendes Wasser ausgeharrt.

Diese Aktion und dieser Durchhaltewillen seien ein Fanal für eine bessere und gesündere Umwelt gewesen, erklärte der ALK-Vorsitzende Robert Rohr bei der Preisübergabe an Kurt Jarinsky als Vertreter der Dammbesetzer. Es sei auch ein Fanal für die Erhaltung von zusammenhängenden Waldgebieten und beliebten Erholungsgebieten im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet gewesen.

Das Hüttendorf sei am Brennpunkt des Geschehens errichtet worden, dort, wo es darauf ankomme und jeder sehen könne, was durch ein geplantes Projekt zerstört würde. Mit ihrem Hüttendorf hätten die Dammbesetzer eine neue Aktionsform entwickelt, die zum Vorbild für die später errichteten Hüttendörfer an der Startbahn West und in Gorleben werden sollte, erinnerte Rohr.

Friedlicher Widerstand und soziales Experiment

Die Dammbesetzer seien auch ein Vorbild für friedlichen Widerstand gegen Behördenplanungen gewesen. Gleichzeitig sei das Dorf auf dem Damm ein soziales Experiment gewesen, bei dem die jungen Leute das Zusammenleben unter widrigen Bedingungen erprobt hätten. Dazu zählten Regen, Schnee und Kälte, aber auch das Bangen vor einer jederzeit möglichen Räumung durch die Polizei sowie 110 eingeleitete Strafverfahren. Diese wurden sämtlich von den Dammbesetzern gewonnen, da nach Erkenntnissen der Richter der seinerzeitige Damm für die geplante B8 im Liederbach illegal und klimaschädigend in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet worden war.

Das lange Ausharren habe viele Bürger in der Region von der Ernsthaftigkeit des Anliegens überzeugt und letztlich zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung beigetragen, so Rohr. In seinen zwei Jahren des Bestehens war das Hüttendorf zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Die Dammbesetzer hätten dieses Interesse für ihre Öffentlichkeitsarbeit genutzt und mit Worten, aber noch eindrucksvoller durch Taten, für die Rettung von mehreren zehntausend Bäumen gekämpft. Außerdem habe es die Volkshochschule Liederbach gegeben, die mit ihren Veranstaltungen dazu beigetragen habe, ökologisches Wissen zu verbreiten.

Eine Wurzel der ALK und der UKW

Die Dammbesetzung sei auch eine der Wurzeln für die Entstehung ökologischer Wählergemeinschaften in Königstein (ALK) und Kelkheim (UKW) gewesen. Es sei bei den Beteiligten die Erkenntnis gewachsen, dass es parallel zueinander außerparlamentarischen Widerstand und Arbeit in den Parlamenten geben könne.

Gleich in ihrer dritten Stadtverordnetensitzung am 21. Mai 1981 brachte die junge Wählergemeinschaft ALK, die wenige Monate zuvor mit 22 Prozent und acht Stadtverordneten in das 37-köpfige Parlament eingezogen war, die B8 auf die Tagesordnung. Anlass war die am 12. Mai 1981 erfolgte Räumung des Hüttendorfs durch die Polizei. In einer eindrucksvollen Rede, bei der man eine Stecknadel hätte fallen hören können, sprach sich der seinerzeitige ALK-Vorsitzende Dr. Friedrich Kollmann dafür aus, die Räumung und die sofortige Einebnung des Dorfs zu missbilligen. "Wir bedauern, dass dieser ungewöhnliche gewaltlose Protest auf diese Art und mit diesen Mitteln beendet wurde", hieß es in dem von der ALK vorgelegten Antrag. Doch das war seinerzeit ein etwas zu starker Tobak für das Königsteiner Stadtparlament, dessen Mehrheit den Antrag mit 18 Nein-Stimmen bei 11 Ja-Stimmen und acht Enthaltungen ablehnte.

Dennoch drückte das Stadtparlament seine Missbilligung aus. Es beschloss einen von dem damaligen FDP-Fraktionsvorsitzenden Karl-Gustav Schramm eingebrachten Antrag mit dem Wortlaut: "Die Räumung des Naturdorfs - B8 - zum erfolgten Zeitpunkt wird mit Bedauern zur Kenntnis genommen." Für diesen Text stimmten 18 Stadtverordnete, 14 waren dagegen und fünf enthielten sich. Unter den Ja-Stimmen und Enthaltungen waren auch Parlamentarier, die für die neue B8 waren, aber das Vorgehen der Behörden gegen die Damm-Besetzer missbilligten. (26.5.2009)

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