ALK: Waldschaden nicht durch neue Straße vergrößern

Die Aktionsgemeinschaft Lebenswertes Königstein (ALK) sieht sich durch den neuen Waldschadensbericht des Landes Hessen in ihren Bedenken gegen den Bau einer neuen Bundesstraße 8 bestätigt.

Die neue B8 soll vom derzeitigen Ausbauende bei Kelkheim bis zum Anschluß an die bestehende B8 in der Nähe der Abfahrt zum Feldberg zu einem großen Teil durch weitgehend noch intakte Wälder geführt werden. Betroffen wären auch der Wald zwischen Schneidhain und dem Rettershof sowie das Waldgebiet am Steinkopf und in der Nähe des Naturfreundehauses.

Die ALK-Fraktionsvorsitzende Dr. Hedwig Schlachter sagte, durch die Straße seien dort auch herrliche Bestände alter Buchen und Eichen bedroht. Angesichts des schlechten Zustands des Waldes in der Rhein-Main-Ebene sei es nicht zu verantworten, intakte Wälder zu zerteilen und viele tausend Bäume zu fällen.

Bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts hatte Forstminister Dietzel (CDU) die Rhein-Main-Ebene als das Sorgenkind in Hessen bezeichnet. Zwar sei auch dort eine leichte Erholung festzustellen, doch lägen die dortigen Werte der Baumschäden noch immer deutlich über dem Landesdurchschnitt. Bei den älteren Bäumen ging im Jahr 2001 die Verlichtung der Kronen von 32 auf 29 % und bei den jüngeren von 20 auf 18 Prozent zurück. Insgesamt sind in der Rhein-Main-Ebene 29 % der Bäume geschädigt, während es im Landesdurchschnitt 27 Prozent sind. Seit 1984 sind vor allem die Kronenverlichtungen der jüngeren Bäume deutlich höher als im Landesdurchschnitt.

Besonders ungünstig ist nach dem Bericht der Vitalitätszustand der Eichen. Diese sei in der Rhein-Main-Ebene die charakteristische, natürlich vorkommende Baumart und als solche überdurchschnittlich am Waldaufbau beteiligt. Der durchschnittliche Blattverlust der älteren Eiche war dort mit 36 Prozent erheblich schlechter als in anderen Landesteilen. Die Rhein-Main-Ebene lag um neun Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt von 27 Prozent. Weiter heißt es in dem aktuellen Waldzustandbericht: "Die kritische Situation in Teilbereichen der Rhein-Main-Ebene veranschaulicht auch der Anteil der älteren Eichen mit wirklich starken Schäden bei Blattverlusten von mehr als 60%." In der Rhein-Main-Ebene sind starke Eichenschäden circa sechsmal so häufig festzustellen wie im gesamten Land. Dieser Befund sei umso wichtiger, da das Absterbensrisiko von Eichen ab einer Kronenverlichtung von 60% überproportional ansteige.

Als Ursachen für die stärkeren Schäden in Teilen der Rhein-Main-Ebene nennt der Schadensbericht Grundwasserabsenkungen, Witterungsstress durch überdurchschnittliche Sommer- und Wintertemperaturen seit 1988, die Belastung durch Luftschadstoffe, Insektenbefall sowie "die massive Zerschneidung der Waldbestände." Die ALK-Fraktionsvorsitzende sagte, mit einer neuen B8 würden sehenden Auges weitere Waldschäden in erheblichem Umfang in der ökologisch belasteten Rhein-Main-Region in Kauf genommen.

Die knapp acht Kilometer lange neue B8 wird seit rund 40 Jahren geplant. Sie soll vom derzeitigen Ende des Ausbaus bei Kelkheim-Hornau durch das Liederbachtal und das Braubachtal in Richtung Schneidhain führen. Dort verläuft sie weiter zwischen Rettershof und Schneidhain, kreuzt hinter dem Ausbildungszentrum der Dresdner Bank die Straße nach Ruppertshain. Unterhalb des Steinkopfs führt die Straße dann an der Nähe des Naturfreundehauses vorbei zur bestehenden B8. Derzeit wird noch geprüft, ob die Straßen eher in der Nähe der Abfahrt zum Feldberg oder mehr in Richtung Leimeisterkurve angebunden werden soll. (12.1.2003)

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